Wolfgang Bosbach und seine Biografin Anna von Bayern in der Stadthalle. Foto: Rüdiger Kahlke

Meinerzhagen. „Wenn es mehr Bosbachs gebe, würden auch mehr wählen“, soll Günther Wallraff über Wolfgang Bosbach gesagt haben. Der konservative Querdenker und Vorsitzende des Innenausschusses des Deutschen Bundestages gab Sonntagnachmittag einen kurzen Einblick in die Funktionsweisen des Politikbetriebs in Berlin.

Kurz vor allem auch deshalb, weil seine Biografin Anna von Bayern von der veranschlagten Stunde schon die Hälfte mit einführenden Worten und dem Vorlesen der Einleitung aus dem Buch „Jetzt erst recht“ in Anspruch nahm. Eine Werbung für das Buch, das sie geschrieben hat. Flüssig zu lesen. Spannend, auch nur zuzuhören. Eine Biografie, die Respekt abnötigt, die allein schon Sympathie für den 61-jährigen Unions-Politker weckt, auch wenn man nicht all seinen Folgerungen zustimmen mag.

Diskussion über Griechenland-Hilfe und Flüchtlinge

So konzentrierte sich die Diskussion im wesentlichen auf drei Punkte. Die Krise der Griechen und die Hilfen für das Land. Die hatte Bosbach abgelehnt. Und sich damit auch quer zu seiner Fraktion gestellt. Überlegungen zu seinem Rückzug aus der Politik konkretisierte er nicht, will das entscheiden, wenn es in vier Monaten darum geht, ob es weitere Hilfen geben soll. Er glaubt, dass die Debatte im Bundestag (breite Mehrheit für die Hilfe) nicht die Meinung der Bevölkerung spiegelt. Zudem fällt es ihm „schwer, gegen die Kanzlerin zu reden“, die einen guten Job mache.

„Können nicht alle Probleme lösen“

2015_02_Bosbach_kuK_13nDie Bitte aus Kreisen der Kiersper Flüchtlingshilfe, sich für junge Leute aus Syrien einzusetzen, damit sie bleiben können, lehnte er ab. Bosbach bekannte sich grundsätzlich dazu, Menschen aus Bürgerkriegsregionen oder politisch Verfolgte aufzunehmen, machte aber auch – unter dem Beifall des Publikums – deutlich, dass nicht alle Probleme in Deutschland gelöst werden könnten. Hier forderte er mehr europäische Solidarität ein. Alle 28 EU-Länder müssten sich an die vereinbarten Regeln halten, was Asylverfahren und Anerkennung angehe.

Steuerflucht für Großkonzerne zu bekämpfen hält er für nötig, sieht angesichts der Globalisierung nur wenig Möglichkeiten. Das Thema schien ihm – und dem Publikum der Generation Silberlocke –  nicht so wichtig zu sein, wie die Eindämmung der Flüchtlingszahlen.

Einblicke: Direktmandat sichert Unabhängigkeit

Seine Beispiele aus dem Abgeordneten-Alltag in Berlin zeigten, dass demokratische Praxis und reine Lehre auch im Musterland BRD nicht immer deckungsgleich sind. Da werden dann auch schon mal „junge Kollegen“ unter Druck gesetzt, so abzustimmen, wie die Fraktion es gerne hätte. Dann ist es schon hilfreich, ein Direktmandat zu haben und nicht über die Liste ins Parlament gelangt zu sein. Bosbach: „Was Abgeordnete frei macht, ist das Vertrauen der Menschen zuhause.“

Rückzug eher fraglich?

Und das muss man sich erarbeitet. Wolfgang Bosbach hat das geschafft. Er, dessen Leben vom Terminkalender diktiert wird, ist am Sonntag in der Stadthalle Meinerzhagen nach der Einleitung noch in die Verlängerung gegangen, als seine Biografin schon zum, Aufbruch drängte. Bücher hat er auch noch signiert. Volksnah ohne populistisch zu sein. Dass er wirklich aufgibt, sich aus der Politik zurückzieht, hielt „Die Welt“ am Wochenende für so wahrscheinlich wie die Annahme, dass Helmut Schmidt das Rauchen aufgibt.

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